Mit der Umstellung von ArcGIS Desktop auf ArcGIS Pro und dem damit verbundenen Übergang vom Geometric Network zum modernen Utility Network stehen den Anbietern von Netzwerkinfrastrukturen bedeutende Veränderungen bevor. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum dieser Schritt notwendig ist und welche Vorteile und Chancen das neue Utility Network für ein zeitgemäßes Netzmanagement bietet.
Mit der Abkündigung von ArcGIS Desktop stehen auch den Anbietern von Netzwerkinfrastrukturen große Veränderungen bevor. Denn mit dem Wechsel von ArcMap zu ArcGIS Pro wechseln wir auch von unserem gewohnten Datenmodell für Netze, dem Geometric Network, zum modernen Utility Network. Warum dies ein notwendiger Schritt in Richtung eines modernen Netzmanagements ist und welche Vorteile und Chancen damit verbunden sind, möchte ich im Folgenden erläutern.
Das Geometric Network – Desktop immer und überall
Die Zeit vergeht schnell – vielleicht noch schneller in der Welt der Technik. Das Geometric Network hatte seinen ersten Auftritt kurz vor der Jahrtausendwende im Jahr 1999, als es als Teil von ArcGIS 8.0 zum ersten Mal ausgeliefert wurde. Wenn man ein wenig nostalgisch geworden in unseren Archiven recherchiert, findet man zu dieser ArcGIS-Version die in Abbildung 1 dargestellte Zusammenstellung von Softwarekomponenten.

Wie damals üblich, war die Softwarearchitektur desktopzentriert. So wurde auch das Geometric Network für den Betrieb in lokalen ArcMap-Installationen, verteilt über Datenbankverbindungen, optimiert. Als das Arbeiten über Webdienste wenig später immer populärer wurde, waren Geometric Networks nicht von Haus aus dafür gerüstet. So erlaubt ein Geometric Network die Integration beliebig vieler Featureklassen für Network Assets in die Netzwerktopologie. Dies macht es nicht nur für uns als Softwareanbieter schwieriger, Funktionalität bereitzustellen, die sicher mit allen Geometric Networks funktioniert, sondern es beeinträchtigt auch in hohem Maße die Performance von Web-Services. Und hier finden wir vielleicht einige der wichtigsten Unterschiede zwischen dem Geometric Network und dem Utility Network.
Das Utility Network – Alles Web
Fast 20 Jahre jünger als das Geometric Network, wurde das Utility Network auf ArcGIS Pro von Anfang an vollständig auf unsere heutige Arbeitsweise abgestimmt. Dazu haben wir das Datenmodell so konzipiert, dass es perfekt in eine servicebasierte Infrastruktur passt. Es ist in vielerlei Hinsicht wesentlich restriktiver als das Datenmodell des Geometric Networks. So erlaubt es nur noch genau 5 Feature Classes pro Domäne (Wasser, Gas, Strom, Fernwärme, etc.) plus 3 Feature Classes für die zugehörige Infrastruktur (Strukturnetzwerk).
Dies bedeutet in erster Linie, dass die vielen verschiedenen Featureklassen aus dem Datenmodell des Geometric Networks in einem größeren Migrationsaufwand auf die 8 Featureklassen des Utility-Netzes abgebildet werden müssen. Dieser Aufwand lohnt sich aber in vielerlei Hinsicht. Einerseits müssen die Daten dazu automatisch einen bestimmten Qualitätsprozess durchlaufen, der die Datenkonsistenz und die Integrität des alten Netzwerkmodells verbessert. Zum anderen wird durch die Reduzierung der Featureklassen die Performance bei der servicebasierten Arbeit mit dem Netzwerk drastisch erhöht. Denn zum Abrufen von Netzwerkkomponenten ist eine Serveranfrage für jede benötigte Featureklasse erforderlich. Mit dem Utility Network strukturieren wir daher die Netzwerkkomponenten in möglichst wenige Featureklassen und differenzieren die verschiedenen Arten von Assets über Subtypes und Domains innerhalb der Featureklassen.
Servicebasierte Arbeit an einem Netzwerk
Diese native Webfähigkeit des Utility Network hat zur Folge, dass ArcGIS Pro, im Gegensatz zu ArcMap im Geometric Network, nur eine Anwendung unter vielen ist, die mit dem Netzwerk arbeitet. Ebenso einfach ist es, das Utility Network über das Web zu visualisieren, zu analysieren oder zu bearbeiten. Die Unterstützung dafür ist in mehreren Web-Komponenten der ArcGIS-Welt integriert (z.B. im Web Editor, Instant Apps, Experience Builder). Darüber hinaus kann der Außendienst jederzeit mit mobilen Geräten auf das Netzwerk zugreifen (z.B. über ArcGIS Field Maps). Hier nutzen wir für Utility Network also alle bekannten Vorteile des dienstleistungsorientierten Arbeitens und fördern die effiziente Zusammenarbeit.

Zudem handelt es sich bei ArcGIS um ein offenes System, das sowohl den Austausch von Netzwerkdaten mit anderen Systemen als auch die Integration externer, betriebsrelevanter Daten ermöglicht. So könnten z.B. Sensordaten oder Befliegungsdaten einfach mit den Netzwerkdaten kombiniert und verglichen werden. Dies sowohl in der gewohnten 2D-Ansicht des Geometric Network als auch in der neueren 3D-Visualisierung.
Utility Network – DAS Werkzeug für die Verwaltung von Netzwerkinfrastrukturen
Das Utility Network ist somit das richtige Werkzeug für die Planung, den Bau und die Verwaltung moderner Infrastrukturnetze. Neben den technischen Details gibt es nämlich auch einen weiteren wichtigen Unterschied zum Geometric Network: das Geometric Network wurde seinerzeit gar nicht nur mit Blick auf Infrastrukturnetze entwickelt. Vielmehr sollte es ein breites Spektrum an Anforderungen abdecken, bei denen die Netztopologie eine Rolle spielt, wie es bei Infrastrukturnetzen, aber auch in vielen anderen Bereichen der Fall ist. Mit Utility Network verfügen wir nun über eine spezialisierte Lösung, die auf die Bedürfnisse der Anbieter moderner Netzwerkinfrastrukturen zugeschnitten ist.
Der Wechsel zum Utility Network
Abschließend möchte ich betonen, dass das Utility Network keine einfache Weiterentwicklung oder ein Upgrade des Geometric Network ist, sondern eine komplette Neuauflage mit modernsten Funktionen und Datenstrukturen. Dementsprechend ist die Umstellung möglicherweise nicht an einem Nachmittag erledigt. Sie braucht Zeit und es ist wichtig, sich diese Zeit zu nehmen. Denn sie bietet gleichzeitig die Chance, bestehende Daten, Prozesse und Systeme genauer unter die Lupe zu nehmen und zu optimieren.
Wer dabei Unterstützung braucht, findet sie bei uns oder bei einem unserer Specialty Partners für das Utility Network. Gemeinsam bringen wir Ihr Infrastrukturnetzwerk ins Hier und Jetzt.