Online-Schulungen sind bei Esri nichts Neues. Und dennoch: Das Jahr 2020 war auch für den Technologieanbieter ein Digitalisierungsschub. GIS-User können aus mehr E-Learning-Angeboten wählen als je zuvor. Was sich 2020 alles in Sachen Schulungen getan hat, verrät Hans Ziegltrum im Interview.

Hans, Du gibst seit 27 Jahren Schulungen bei Esri. Hast Du schon mal so viel Veränderungen in einem Jahr erlebt wie 2020?

Als Trainer müssen wir immer mit Veränderungen oder mit Unvorhergesehenem rechnen. Unser Schulungsplan für das erste Halbjahr 2020 wurde durch Covid-19 allerdings komplett durcheinandergewürfelt.

Inwiefern?

Nachdem klar war, dass Präsenzschulungen in der nächsten Zeit nicht stattfinden konnten, mussten wir schnell reagieren. Wir waren in diesem Bereich glücklicherweise schon gut aufgestellt. Bei der Umstellung unserer Kurse von Präsenz auf Online war entscheidend, dass wir ein gut funktionierendes Backoffice haben. Dadurch war es möglich, dass unser E-Learning-Angebot in kürzester Zeit enorm wachsen konnte.


1993 hat Hans Ziegltrum seine erste Esri Schulung gehalten – mit der damaligen Software ARC/INFO. Heute bringt der studierte Wirtschafts- und Sozialgeograph den Anwendern die Einsatzmöglichkeiten von ArcGIS näher.


Haben die ArcGIS-User die neuen Online-Schulungen gut angenommen?

Ja, unsere Kunden haben mitgespielt. Herzlichen Dank dafür! Allerdings war bei einigen die Skepsis zunächst groß. Es stellten sich Fragen wie: Erfüllen wir die technischen Voraussetzungen, um an einer Online-Schulung teilzunehmen? Wie funktioniert eine Online-Schulung überhaupt? Wie werden bei Online-Kursen die Inhalte vermittelt und wie kann man aktiv daran teilnehmen?

Waren diese Sorgen berechtigt?

Die Bedenken konnten recht schnell ausgeräumt werden, zumal wir die komplette Schulungsumgebung bereitstellen und im Vorfeld der Kurse Tests durchgeführt werden, um beispielsweise sicherzustellen, dass die Bandbreite des Internets ausreicht. Dass sich die Anstrengungen für alle Beteiligten gelohnt haben, zeigt das Feedback. Wie auch bei unseren Präsenzkursen sind wir mit unseren Online-Kursen am oberen Ende der Zufriedenheitsskala gelandet.

Wie hat sich das Schulungsangebot von Esri 2020 verändert?

Am Kursmaterial mussten wir dabei kaum etwas verändern. Der Aufbau unserer Kurse lässt eine Überführung in die digitale Welt problemlos zu. Wir profitieren dabei auch von Esri Inc. Da in den USA die Online-Schiene schon seit längerem bedient wird, können wir auf bewährte Strukturen zurückgreifen und müssen nicht alles neu erfinden.

Welche Vorteile ergeben sich durch das neue Online-Angebot für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer?

Online-Schulungen bieten eine Reihe von Vorteilen: Die Teilnahme kann vom gewohnten Arbeitsplatz oder vom Homeoffice aus erfolgen. Da Esri die gesamte Schulungsumgebung bereitstellt, müssen sich die Teilnehmenden keine Gedanken über Lizenzen, die aktuelle Softwareversion oder notwendige Datenbanken machen. Es ist alles schon da, ohne Aufpreis.

Und es können auch die ArcGIS User mitmachen, die sonst eine weite Anreise hätten.

Genau. Wir erreichen jetzt eine Zielgruppe, für die die Teilnahme an Präsenzkursen außer Haus nicht möglich ist. Entweder sind Reisen für sie nicht vorgesehen oder sie ist aus verschiedenen Gründen in ihrer Organisation unabkömmlich.

Gibt es denn auch Vorteile für die Trainer?

So sehr wir Trainer auch die Nähe zum Kunden suchen, wir haben auch nichts dagegen, mal eine Nacht weniger im Hotel zu verbringen (lacht).

Gibt es denn auch neue Kursformate?

Neu ist das Online-Coaching. Es handelt sich dabei um Schulungen, die auf die Fragestellungen und das Zeitbudget eines oder einiger weniger Teilnehmenden zugeschnitten sind. Wir bieten auch Kurse an, bei denen die Teilnehmenden die wichtigsten Aufgaben ihres Tagesgeschäftes noch wahrnehmen können. Diese Kurse erstrecken sich zwar über einen längeren Zeitraum, nehmen aber pro Tag nur wenige Stunden in Anspruch. Die Vorteile für Organisationen liegen auf der Hand. Sie sparen Reise- und Übernachtungskosten.

Welche Interaktionsmöglichkeiten gibt es für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer?

Wir führen unsere Kurse mit einer professionelle Meeting-Software durch, die eine große Bandbreiten von Interaktionsmöglichkeiten bietet. Die direkte Kommunikation mit den Trainern und den anderen Kursteilnehmern – Fragen stellen, Themen diskutieren – steht dabei sicherlich im Vordergrund. Per Chatter ist auch der schriftliche Austausch mit den Trainern oder den Teilnehmenden möglich. Kleine (anonyme) Umfragen lockern die Atmosphäre auf und die Teilnehmenden können gleichzeitig überprüfen, ob sie inhaltlich auf dem Laufenden sind.

Also alles sehr praxisorientiert.

Die Teilnehmenden sollen das Gelernte unmittelbar ausprobieren. Nach Bedarf können in separaten Break Out Rooms Fragestellungen in Gruppen bearbeiten und anschließend die Ergebnisse präsentieren. Trainer können sich einklinken und Hilfestellung leisten. Die Teilnehmenden können auch ihren Bildschirm teilen. Fragen können so direkt mit den Trainern besprochen oder mit der ganzen Gruppe diskutiert werden.

Wie geht es nach dem Lockdown weiter? Sollen auch wieder Präsenzveranstaltungen stattfinden?

Nach den guten Erfahrungen wird die große Nachfrage nach Online-Schulungen sicherlich weiterhin bestehen und sogar noch zunehmen. Wir werden unser Kursangebot entsprechend ausbauen. Dennoch haben aber auch Präsenzveranstaltungen weiterhin ihre Berechtigung.

Der unmittelbare Kontakt mit den Trainern und den anderen Teilnehmenden kann durch Nichts ersetzt werden. Erfahrene Trainer erkennen bei den Präsenzkursen sehr schnell, dass es an dem einen oder anderen Arbeitsplatz Probleme gibt und können aktiv auf die Teilnehmenden zugehen.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass es in den so hoch technisierten Ländern Deutschland und Schweiz immer noch Regionen gibt, in denen die Versorgung mit schnellem Internet nicht gewährleistet ist. Auch wenn die technischen Anforderungen von Online-Kursen nicht sehr hoch sind, ist ein stabiles Netz wichtig.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte: Denis Heuring