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Auf der Smart Country Convention in Berlin sprechen Smart-City-Akteure vom 22. bis 24. Oktober über das Potential der Digitalisierung im Public Sector. Im Interview erklärt Christer Lorenz, Account Manager Local Authorities bei Esri Deutschland und Esri Schweiz, wie sich Daten nutzen lassen, um Städte und Gemeinden noch lebenswerter zu gestalten.

Die diesjährige Smart Country Convention steht unter dem Motto „Digitize Public Services“. Hat der öffentliche Sektor Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung?

Dass rund zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland behaupten, ihre Städte seien nicht digital, belegt den Nachholbedarf im öffentlichen Sektor. Passend dreht sich auf der Smart Country Convention alles um die Frage: Wie können Verwaltungen und administrative Dienstleistungen digitalisiert werden? Denn eines ist klar: Der Public Sector muss sich weiter digitalisieren.

Von welchen Bereichen des öffentlichen Sektors sprechen wir genau?

Sowohl die Politik als auch die Verwaltung nutzen die Potentiale der Digitalisierung vielfach noch nicht aus. Das betrifft Bereiche wie Bürgerdienste, das Datenmanagement, die IT-Sicherheit und -Infrastruktur oder auch digitale Dienstleistungen in den Sektoren Energie, Mobilität, Abfall, Wasser, Bildung, Gesundheit oder Wohnen. 

Die Smart Country Convention möchte mit dem Motto „Digitize Public Services“ Antworten auf Digitalisierungsfragen innerhalb dieser Bereiche finden – für Städte und ländliche Regionen. Aussteller aus unterschiedlichen Branchen zeigen deshalb die ganze Bandbreite an digitalen Möglichkeiten.


Christer Lorenz ist Account Manager Local Authorities bei Esri. Auf der Smart Country Convention in Berlin zeigt er, wie Städte und Gemeinden ihre Daten im Sinne der Bürgerinnen und Bürger nutzen.


Warum ist die Digitalisierung des Public Sector eine so große Herausforderung?

Neben der Digitalisierung von internen Verwaltungsprozessen müssen neue digitale Angebote für Bürger und Wirtschaft geschaffen werden. Besonders wichtig sind dabei die Themen Datenschutz, IT-Sicherheit und Transparenz.

Städte und Gemeinden stehen im Spannungsfeld zwischen der Erwartung der Bürger und der Vielzahl technologischer Optionen. Oft mangelt es jedoch an ganzheitlichen Konzepten, Digitalisierungsstrategien und Fahrplänen zur konkreten Umsetzung.

Was ist Deines Erachtens der wichtigste Grundstein für eine zukunftsfähige Digitalisierungsstrategie im Public Sector?

Da es vor allem darum geht, viele unterschiedliche Akteure miteinander zu vernetzten, ist Kommunikation das Stichwort. Daten sollen zwar über Infrastrukturen ausgetauscht werden. Doch noch immer verhindern vielerorts Datensilos die Vernetzung von Akteuren und Anwendungen.

Solange aber unterschiedliche Datenformate und komplizierte Workflows nicht innerhalb eines integrativen Systems miteinander verknüpft sind, ist die Nutzung der Daten für Behördenmittarbeiter und Bürger nur eingeschränkt möglich. Dabei geht viel Potential verloren.



Welche Vorteile bringt die Esri Technologie hinsichtlich der Digitalisierung des Public Sector – und der Überwindung von Datensilos?

Geographische Informationssysteme (GIS) tragen dazu bei, dass in Sachen Digitalisierung alle Akteure die gleiche Sprache sprechen – Politik, Verwaltung und Bürger. Die ArcGIS Plattform von Esri – in der Cloud oder in der eigenen Infrastruktur – ist ein integratives System zur Verarbeitung, Visualisierung, Analyse und Bereitstellung von Daten mit und ohne Geobezug.

Das bietet die Chance, Datensilos aufzubrechen und reibungsfrei zu kommunizieren. Ob datengestützte Entscheidungsfindung oder Beteiligung der Öffentlichkeit – Verwaltung und Bürger arbeiten gemeinsam an städtischen Themen. Bürgerzentrische Plattformen machen die Geographie einer Stadt digital erlebbar und bieten einen effektiven Kommunikationskanal zwischen Gesellschaft und Verwaltung.

Wo genau lässt sich die Esri Technologie im Public Sector einsetzen?

Die Esri Technologie wird in allen Bereichen des Public Sector eingesetzt: Dazu zählen Bundes- und Landesbehörden, genauso wie die kommunale Verwaltung in unseren Städten. Behörden mit Sicherheitsaufgaben setzten Esri Technologie in ihren täglichen Arbeitsabläufen ein. Open Data Portale schaffen Transparenz, die Polizei und Katastrophenschutzbehörden planen ihre Einsätze, und auch Verwaltungen setzen auf ein zentrales Geodatenmanagement.

Als Technologiepartner unterstützen wir unsere Kunden und Partner aus dem öffentlichen Sektor dauerhaft bei der digitalen Transformation.

Am Esri Stand in Berlin wird es zwei Schwerpunktthemen geben: Smart City und Safety & Security. Was genau erwartet die Besucherinnen und Besucher?

Im Rahmen von Smart City stellen wir zum Beispiel den ArcGIS Hub vor, eine zentrale Datenplattform für die Zusammenarbeit und den Austausch zwischen Behörden, Bürgern und Unternehmen – ein ganzheitlicher Ansatz für smarte Städte und Regionen mit tollen Visualisierungsmöglichkeiten in Form von digitalen Karten und interaktiven Dashboards. Partizipation heißt bei Esri nicht nur Bürgerbeteiligung, sondern aktive Teilhabe. Jeder kann mitmachen und über den GeoHub mit städtischen Daten arbeiten oder einfach selbst eigene Karten gestalten. Wie das geht, zeigt zum Beispiel der Data Hub Stadt Chemnitz.

Außerdem steht eines unserer neuesten Produkte im Fokus: ArcGIS Urban. Es ermöglicht das Berechnen und Visualisieren von unterschiedlichen Stadtplanungsszenarien direkt im digitalen Zwilling der Stadt, basierend auf städtebaulichen Vorgaben

In Form einer Live-Demo zeigen wir, wie ArcGIS Urban die Stadtplanung revolutioniert und wie ein 3D-Stadtmodell die Grundlage für die Integration von BIM-, CAD- und Sensordaten bildet.

Und was ist im Bereich Safety und Security geboten?

Es wird schwerpunkmäßig um die Themen IT-Sicherheit, Open Source und Realtime-Monitoring gehen: Unter anderem zeigen wir, wie Einsatzkräfte mit Operation Dashboards und ArcGIS Mission im Schadensfall den Überblick behalten, wie eine Location Analytics Plattform gemäß den Anforderungen des BSI-IT Grundschutzes betrieben wird oder wie offene Datenquellen benutzt werden, um Informationsräume in Echtzeit anzureichern.

Bei allem geht es uns um die Frage, wie das Leben der Bürgerinnen und Bürger sicherer gestaltet werden kann.