5 Mythen über ArcGIS Pro

Große Softwareneuerungen und damit verbundene Änderungen stoßen in der Regel erstmal auf Skepsis. So auch die Migration von ArcMap auf ArcGIS Pro. Doch was ist dran an den Vorbehalten? Wir haben die 5 größten ArcGIS Pro Migrationsmythen zusammengefasst – und klären auf.

“Never change a running system” – so das Anwender-Credo Nummer 1. Doch gilt das überhaupt noch in Zeiten der Digitalisierung? Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Zu schmal ist die Gratwanderung zwischen bewährt Zuverlässigem und innovativ Funktionsreichem.

Klar scheint hingegen: Neue Herausforderungen erfordern neue Lösungen. Doch was bedeutet das konkret für ArcGIS Desktop User, in deren Desktop-Anwendungssuite ArcGIS Pro die Karten neu mischt?

Unser Softwareteam hat das Thema der ArcGIS Community unter die Lupe genommen und räumt mit alten Migrationsmythen auf.

Mythos #1: ArcGIS Pro enthält nicht alle Funktionen von ArcMap

Diese Aussage stimmte für die ersten Versionen von ArcGIS Pro. Inzwischen finden sich in ArcGIS Pro die meisten Funktionalitäten und Werkzeuge aus ArcMap wieder. Der Funktionsumfang ist allerdings nicht deckungsgleich.

Die Gründe: ArcGIS Pro ist eine Neuentwicklung, bei der das alte Architekturkonzept von ArcMap über Bord geworfen wurde und Workflows teilweise anders realisiert wurden. Dennoch sind inzwischen fast alle bekannten Werkzeuge aus ArcMap in ArcGIS Pro implementiert. Zugleich sind viele innovative Funktionen und Fähigkeiten hinzugekommen, die es in ArcMap nicht gibt.

Mit ArcGIS Pro kann nun auf softwareseitige und hardwareseitige Leistungsfähigkeit und Ressourcen zurückgegriffen werden, die vor zehn Jahren noch undenkbar waren.

ArcGIS Pro Menü
Die Menübandoptik in MS Office-Manier macht wichtige Werkzeuge schneller zugänglich.

Mythos #2: Mit ArcGIS Pro kann ich nicht in ArcGIS Server veröffentlichen

Ein Mythos! Mit ArcGIS Pro können Sie unter anderem Webkarten, Web-Szenen und Web-Layer mit den entsprechenden Web-Services in ArcGIS Online oder in dem Portal in ArcGIS Enterprise veröffentlichen – und ebenso Karten-, Image- und Geokodierungs-Service direkt auf einen eigenständigen ArcGIS Server publizieren.

Im Gegensatz zu ArcMap arbeitet ArcGIS Pro nahtlos mit der ArcGIS Plattform zusammen. Mit ArcGIS Pro lassen sich weitaus mehr Datenprodukte und Layer-Typen in ArcGIS Enterprise und ArcGIS Online veröffentlichen als mit ArcMap.

Mit ArcGIS Pro stellen User auch dynamische Kartenservices, Feature-Services, Image-Services sowie Geokodierungs- und Geoverarbeitungsservices in ArcGIS Enterprise bereit. ArcGIS Enterprise Nutzer veröffentlichen ihre Services sicher über eine mit dem Portal verbundene, authentifizierte Server-Site. Das ist neu.

Dynamische Kartenservices in ArcGIS Pro.
Dynamische Kartenservices in ArcGIS Pro.

Mythos #3: ArcGIS Pro unterstützt nicht mein Lizenzmodell

Bei dieser Annahme handelt es sich in der Tat um einen Mythos. Als Teil von ArcGIS Desktop ist ArcGIS Pro selbstverständlich auch Teil Ihrer ArcGIS Desktop-Lizenz.

ArcGIS Pro lässt sich so konfigurieren, dass es vorhandene Concurrent-Use-Lizenzen vom Lizenzmanager ausleiht. Ebenfalls kann es eine vorhandene Single-Use-Lizenz auf einer Maschine verwenden.

Übrigens: Als Standardlizenztyp ist für ArcGIS Pro die praktische Named-User-Lizenzierung verfügbar. Im Rahmen einer ArcGIS Desktop Lizenz steht ArcGIS Pro allen Named Usern mit dem vollen Funktionsumfang zur Verfügung. Administratoren erhalten zudem die Möglichkeit, Lizenzen für die ArcGIS Pro Lizenzstufen Basic, Standard und Advanced und für diverse Erweiterungen zu verwalten.

Bekannte Lizenzierungsmethoden und erworbene Lizenzstufen und Erweiterungen stehen somit auch für ArcGIS Pro bereit.

Mythos #4 – ArcGIS Pro hat höhere Hardwareanforderungen als ArcMap

ArcGIS Pro hat zwar höhere Hardwareanforderungen als ArcMap, doch das muss im Verhältnis gesehen werden. Ein Blick auf das Datenblatt beweist: Die minimalen Anforderungen sind für beide Tools nahezu identisch.

Für 3D-Aufgaben benötigt ArcGIS Pro eine Grafikkarte mit mindestens 2 Gigabyte RAM. 3D-Poweruser sind mit 4 Gigabyte RAM gut beraten. Das ist nicht der neuen Software, sondern dem Mehr an Output geschuldet.

Zu berücksichtigen ist, dass es sich bei ArcGIS Pro um eine native 64-Bit-Anwendung handelt. Das bedeutet, dass mehr Speicher adressiert werden kann und im Gegensatz zu ArcMap eine hochperformante Verarbeitung großer Datenmengen möglich ist. Es ist also darauf zu achten, dass es sich bei Ihrem Rechner nicht um ein altes 32-Bit-System handelt.

Zusammengefasst: Die Hardwareanforderungen von ArcGIS Pro entsprechen den zeitgemäßen Standards eines regulären Bürocomputers.

ArcGIS Pro stößt die Tür in die dritte Dimension weit auf.

Mythos #5: ArcGIS Pro unterstützt keine Enterprise-Geodatabases und Versionierung

ArcGIS Pro steht ArcMap in Sachen Unterstützung von Datentypen und -banken in nichts nach – einschließlich Shapefiles, File-Geodatabases, CAD-Dateien und Bilddaten. Darüber hinaus steht die Erweiterung „Data Interoperability“ zur Verfügung.

ArcGIS Pro kann sich ebenso mit vorhandenen Enterprise-Geodatabases verbinden und dieselben Verbindungsdateien wie in ArcMap (.sde) nutzen. All Ihre Versionen stehen – neben gewohnten Geodatabase-Funktionalitäten wie Domänen, Subtypes und Topologien – auch hier bereit. Darüber hinaus können Sie sich unabhängig vom Geodatabase-Modell mit anderen Datenbanksystemen direkt verbinden.

Tipp: Werfen Sie doch einen Blick auf die neuen Werkzeuge zum Editieren von versionierten Datenbanken in ArcGIS Pro. Sie werden staunen.

ArcGIS Pro - Datenbanken
Versionierte Datenbanken lassen sich in ArcGIS Pro wesentlich umfassender als in Arc Map editieren.

Fazit: Ob professionelle Karten, komplexe Analysen oder Datenmanagement und -bearbeitung in 2D und 3D – ArcGIS Pro ist die Desktop-Anwendung für GIS-User, um mit der Digitalisierung Schritt zu halten.