Mit dem ArcGIS Online Update im Juni 2026 wurde ein neuer Layer-Typ, der Parquet-Feature-Layer, in der ArcGIS Welt eingeführt, mit dem Ziel, die Arbeit mit großen Vektordatenmengen performanter zu gestalten. Der Parquet-Feature-Layer zeichnet sich durch schnelle Visualisierung und eine clientseitige Abfrage der Daten aus und bringt damit die Vorteile von Parquet in Karten und Anwendungen. In der aktuellen ArcGIS Online Version sind die Parquet-Feature-Layer noch im Beta-Status und besitzen dadurch noch nicht alle Funktionen. In diesem Blogartikel zeigen wir aber, was schon in ihnen steckt.
Der Blogeintrag führt euch durch die neue Welt der Parquet-Feature-Layer, ihrem Einsatz in ArcGIS Online, dem Performance-Unterschied zu den etablierten Layer-Typen sowie einem Ausblick in der weiteren Entwicklung.
Was ist Parquet?
Parquet ist ein von der Apache Software Foundation entwickeltes spaltenorientiertes Open-Source-Datenformat, das für die effiziente Datenspeicherung großer tabellarischer Datenmengen entwickelt wurde. Es eignet sich besonders für Cloud-Umgebungen und hat sich als gängiges Austauschformat für Daten etabliert.
Im Gegensatz zur herkömmlichen Datenformaten, die Daten zeilenweise speichern, organisiert Parquet die Informationen spaltenweise. Anwendungen können direkt auf die Parquet-Datei zugreifen, wobei die in der Datei enthaltenen Metadaten es ermöglichen, gezielt nur die tatsächlich benötigten Datenbereiche abzurufen.
Ein Beispiel: Um die Anzahl an Datensätzen in Nordrhein-Westfalen in einem zeilenbasierten Datenformat abzufragen, muss das System jede Zeile und alle Attribute scannen, bevor die gesuchten Zeilen zurückgegeben werden können.
In dem spaltenbasierten Datenformat sind die Daten nicht in Zeilen, sondern in Spalten organisiert. Dadurch können Daten performanter abgefragt werden, da nur die relevanten Spalten ausgewertet werden.

Neben der spaltenorientierten Datenspeicherung nutzt Parquet weitere Eigenschaften und Metadaten, um die Geschwindigkeit von Abfragen zu erhöhen. Dazu gehört beispielsweise die Gruppierung ähnlicher Datentypen sowie die Speicherung von Metadaten wie Minimal- und Maximalwerten oder der Anzahl von Nullwerten. Anhand dieser Informationen können ganze Datenblöcke bei einer Abfrage übersprungen werden, wenn sie die Suchkriterien offensichtlich nicht erfüllen. Dadurch müssen deutlich weniger Daten gelesen und verarbeitet werden. Darüber hinaus verwendet Parquet verschiedene Komprimierungsverfahren, um die Dateigröße zu reduzieren. Dies verringert den Speicherbedarf und beschleunigt gleichzeitig das Einlesen der Daten.
Was ist GeoParquet?
GeoParquet erweitert den Parquet-Layer um geographische Informationen und Geometrietypen wie Punkte, Linien und Polygone. Zusätzlich zu den tabellarischen Daten enthält GeoParquet spezielle räumliche Metadaten, darunter wichtige Informationen zum verwendeten Koordinatensystem, zur räumlichen Ausdehnung sowie zum Geometrietyp des Datensatzes. Die eigentlichen Geometrien werden in einer eigenen Spalte gespeichert und mit dem OGC Standardformat WKB (Well-Known Binary) codiert.
Was sind Parquet-Feature-Layer?
Parquet-Feature-Layer sind die Umsetzung des GeoParquet-Dateiformats in ArcGIS Online und seit dem Update im Juni 2026 als Beta-Version verfügbar. Esri ermöglicht es damit, die Effizienz und Skalierbarkeit von Parquet-Layern zu nutzen.
Erstellung mit ArcGIS Data Pipeline
Bislang können Parquet-Feature-Layer ausschließlich mit ArcGIS Data Pipeline erstellt werden. Dafür können als Eingabeformat z.B. Feature-Layer, GeoParquet oder andere Vektordaten wie Shapefiles oder File-Geodatabase verwendet werden.
Was ist in der Beta-Version aktuell (nicht) möglich?
Bei der Verwendung gibt es zum aktuellen Zeitpunkt jedoch noch die folgenden Einschränkungen:
- Schreibgeschützter Datenzugriff: Die enthaltenen Daten können nicht direkt bearbeitet werden. Änderungen sind nur möglich, indem der Layer überschrieben und neu veröffentlicht wird.
- Einsatz in Webanwendungen: Parquet-Feature-Layer werden aktuell in Anwendungen unterstützt, die auf der neuesten Version des ArcGIS Maps SDK for JavaScript basieren.
- Keine Offline-Unterstützung: Eine Nutzung in Offline-Szenarien ist derzeit nicht möglich.
- Eingeschränkte Koordinatensysteme: In der aktuellen Version werden räumliche Daten ausschließlich im Koordinatensystem WGS 1984 gespeichert. Daher können Parquet-Feature-Layer nur mit Grundkarten in WGS 1984 oder Web Mercator verwendet werden.
- Keine Diagrammunterstützung: Die Konfiguration und Darstellung von Diagrammen werden derzeit nicht unterstützt.
- Keine Z- und M-Werte: Höheninformationen (Z-Werte) sowie lineare Referenzierungswerte (M-Werte) werden nicht unterstützt und beim Konvertieren der Daten ignoriert.
- Keine Nutzung in Map Viewer-Analysen: Parquet-Feature-Layer können derzeit nicht als Eingabedaten für die Analysewerkzeuge im Map Viewer verwendet werden.
- Begrenzte Layer-Konfiguration: Änderungen an Symbolisierung oder Pop-up-Konfigurationen werden nicht im Layer selbst gespeichert. Sie bleiben innerhalb der jeweiligen Webkarte erhalten.
- Nicht unterstützte Feldtypen: Die Feldtypen Nur Zeit sowie Zeitstempelversatz werden in der Juni-2026-Version noch nicht unterstützt.
Road-Ahead
Für zukünftige ArcGIS Online-Versionen sind zahlreiche Erweiterungen für die Parquet-Feature-Layer geplant. Ziel ist es, den Layer schrittweise aus der Beta-Phase herauszuführen und ihn noch stärker in das ArcGIS-Ökosystem zu integrieren.
Geplant sind unter anderem:
- Übergang vom Beta-Status in den produktiven Einsatz
- Unterstützung für die Offline-Nutzung
- Einführung von Daten- und Visualisierungstabs, um Daten auch außerhalb einer Webkarte analysieren und erkunden zu können
- Erweiterung der Unterstützung für Analysewerkzeuge
- Unterstützung für Diagramme
- Unterstützung von Z-Werten und M-Werten
- Unterstützung projizierter Koordinatensysteme
- Möglichkeit zur Erstellung auch außerhalb von ArcGIS Data Pipelines
- Weitere Optimierungen zur Verbesserung von Darstellungs- und Abfragegeschwindigkeit
- Konfigurierbare Aktualisierungsintervalle für regelmäßig aktualisierte Kartendaten
- Erweiterte Unterstützung in ArcGIS Online-Anwendungen
- Nutzung von Parquet Feature-Layern in ArcGIS Pro
- Bereitstellung von Parquet Feature-Layern in ArcGIS Enterprise
Wie unterscheidet sich der Parquet-Feature-Layer zu den anderen ArcGIS Layer-Typen?
Die geplanten Erweiterungen zeigen, dass Parquet-Feature-Layer künftig eine noch größere Rolle im ArcGIS-Ökosystem spielen werden. Doch wie ordnen sie sich bereits heute im Vergleich zu etablierten Layer-Typen ein?
Allgemeiner Vergleich
Die verschiedenen Layer-Typen in ArcGIS Online wurden für unterschiedliche Anforderungen entwickelt. Während einige die Darstellung von Karten optimieren, stehen bei anderen die Bearbeitung von Geodaten oder die effiziente Bereitstellung großer Datenmengen im Vordergrund.
In der folgenden Tabelle sind die zwei Layer-Typen Feature-Layer und Kachel-Layer aufgeführt, da diese in den folgenden Tests verwendet werden.
| Layer Typ | Wofür wurde er entwickelt? | Charakteristik |
| Parquet-Feature-Layer | Bereitstellung und Visualisierung großer Geodatensätze | Verhält sich aus Nutzersicht ähnlich wie ein Feature-Layer, wurde jedoch speziell für die effiziente Bereitstellung großer Datenmengen entwickelt und basiert auf dem Parquet-Format. |
| Feature-Layer * | Interaktive Arbeit mit Geodaten | Punkt-, Linien- und Polygon-Features können dargestellt, abgefragt, analysiert und bearbeitet werden. |
| Vektorkachel-Layer (Vector Tile Layer) | Schnelle Darstellung von Karteninhalten | Daten werden als Vektorkacheln bereitgestellt. Optimiert für die Visualisierung großer Datenbestände und häufig als Grundkarte eingesetzt. |
*Hinweis zu den Feature Data Stores:
Feature-Layer können im Standard Feature Data Store oder im Premium Feature Data Store gespeichert werden. Beide bieten dieselben grundlegenden Funktionen, unterscheiden sich jedoch in der zugrunde liegenden Infrastruktur.
- Standard Feature Data Store: Die Daten werden auf einer gemeinsam genutzten ArcGIS-Online-Infrastruktur gespeichert und eignen sich für die meisten Webkarten, Dashboards und Anwendungen.
- Premium Feature Data Store: Die Daten werden auf dedizierten Ressourcen bereitgestellt, wodurch eine höhere Performance erreicht wird. Dadurch eignet sich dieser Datastore insbesondere für große Datenmengen, umfangreiche Workflows, viele gleichzeitige Nutzende und leistungsintensive Enterprise-Anwendungen.
Performance
Die unterschiedlichen Architekturen und Zielsetzungen der Layer-Typen wirken sich auf ihr Verhalten bei großen Datenmengen aus. Daher wurde untersucht, wie sich die verschiedenen Layer-Typen bei großen Datensätzen in der Praxis verhalten.
Eine zentrale Erkenntnis der Tests war, dass die Unterschiede bei kleineren Datensätzen kaum ins Gewicht fallen. Erst bei mehreren Millionen Features wurden die jeweiligen Stärken und Grenzen der einzelnen Ansätze deutlich sichtbar.
Für einen ersten Eindruck der Unterschiede zeigt das folgende Video einen vereinfachten Vergleich mit rund 1,9 Millionen Polygon-Features. Dabei handelt es sich nicht um den eigentlichen Performancetest, sondern es wird das grundsätzliche Verhalten eines Feature-Layers und eines Parquet-Feature-Layers verglichen. Die Layer in diesem Video sind öffentlich bereitgestellt und es gibt keine Kontrolle über mögliche Caching-Effekte.
Hinweis: Beim Feld “Region” (Zoomstufe 9) kann der Eindruck entstehen, dass der Feature-Layer bereits vollständig geladen ist. Tatsächlich werden im Hintergrund jedoch noch weitere Features nachgeladen, sodass die Ladezeit weiterläuft.
Für die eigentlichen Tests wurde der gleiche Datensatz mit rund 1,9 Millionen Polygon-Features verwendet. Um den Einfluss von Caching möglichst gering zu halten, ist dies jedoch ein nicht-öffentlicher Layer. Außerdem wurden Browser-Caches deaktiviert und die Tests in Inkognito-Fenstern durchgeführt. Die Ergebnisse stellen keinen standardisierten Benchmark dar, sondern dienen der qualitativen Einordnung der verschiedenen Layer-Typen.
Ergebnisse
Der Vektorkachel-Layer zeigte die beste Darstellungsperformance. Die Kartendaten standen nahezu unmittelbar zur Verfügung und alle Objekte konnten vollständig visualisiert werden. Dieses Verhalten entspricht dem primären Einsatzzweck von Vektorkachel-Layern, die speziell für die performante Darstellung großer Karteninhalte entwickelt wurden.
Auch der Parquet-Feature-Layer zeigte eine gute Performance. Trotz der großen Datenmenge wurden innerhalb kurzer Zeit alle Features dargestellt.
Beim Feature-Layer im Standard Feature Data Store wurden die Grenzen eines editierbaren Layers sichtbar. Zwar konnte der Layer geladen werden, aufgrund der großen Anzahl an Features wurden jedoch nicht alle Objekte dargestellt. Dieses Verhalten trat erst bei sehr großen Datensätzen mit mehreren Millionen Features auf. Für die meisten Webkarten, Dashboards und Fachanwendungen, die mit deutlich kleineren Datenmengen arbeiten, ist dies in der Regel nicht relevant.
Beim Feature-Layer im Premium Feature Data Store konnten insgesamt bessere Ergebnisse erzielt werden als beim Standard Feature Data Store. Auch hier wurden bei den großen Datensätzen zwar nicht alle Features vollständig geladen, allerdings konnten insgesamt mehr Objekte dargestellt werden, und der Ladevorgang erfolgte zwischen 10% und 60% schneller als beim Standard Feature Data Store. Der Performancevorteil war zwar erkennbar, fiel jedoch im Vergleich zu den anderen Layer-Typen eher moderat aus.
Fazit aus den Tests
Die Unterschiede zwischen den Layer-Typen werden vor allem bei sehr großen Datenmengen sichtbar. Während Vektorkachel-Layer weiterhin die erste Wahl für maximale Darstellungsperformance bleiben, konnten Parquet-Feature-Layer insbesondere bei der vollständigen Visualisierung großer Datensätze überzeugen. Dadurch positionieren sie sich als interessante Alternative für große vektorbasierte Datensätze und Open-Data-Szenarien, in denen Daten zwar abgefragt und visualisiert, aber nicht aktiv bearbeitet werden müssen. Feature-Layer bleiben hingegen die erste Wahl für interaktive und editierbare Workflows. Daraus ergibt sich die Frage, welcher Layer-Typ für welchen Anwendungsfall die richtige Wahl ist.
Welche Frage muss ich mir stellen, um den richtigen Layer auszuwählen?
Welcher Layer-Typ ist für welchen Anwendungsfall geeignet?
Die Entscheidungshilfe bietet eine erste Orientierung. Die folgende Übersicht zeigt typische Anwendungsszenarien der einzelnen Layer-Typen anhand praxisnaher Beispiele.
| Layer-Typ | Geeignet für | Typische Anwendungsbeispiele |
| Parquet-Feature-Layer | Große Datensätze, die überwiegend bereitgestellt und visualisiert werden | Open-Data-Portale, Gebäudedaten eines Bundeslandes, Flurstücksdaten, Umwelt- und Sensordaten, historische Beobachtungsdaten |
| Feature-Layer (Standard Feature Data Store) | Interaktive GIS-Workflows mit Bearbeitung, Analyse und Datenpflege | Schadensmanagement, Baustellenmanagement, Asset Management, Dashboards, editierbare Webkarten |
| Feature-Layer (Premium Feature Data Store) | Skalierbare Enterprise-Anwendungen mit hohen Nutzerzahlen oder großen Workloads | Unternehmensweite Dashboards, öffentliche Fachanwendungen, stark frequentierte Webkarten |
| Vektorkachel-Layer | Datensätze, primär zu Darstellungszwecken und seltene Aktualisierung erforderlich | Grundkarten, Straßennetze, Verwaltungsgrenzen, Gebäudekarten |
Zusammenfassung
Parquet-Feature-Layer erweitern das ArcGIS-Ökosystem um einen Layer-Typ, der speziell für die effiziente Bereitstellung großer vektorbasierter Geodatensätze entwickelt wurde. Sie ersetzen klassische Feature-Layer oder Vektorkachel-Layer nicht, sondern ergänzen diese für Szenarien, in denen die Visualisierung und Bereitstellung großer Datenbestände im Vordergrund steht. Welche Lösung die richtige ist, hängt daher weniger vom „besten“ Layer-Typ als vom jeweiligen Anwendungsfall ab.
Dieser Beitrag lehnt sich an den Blogbeitrag von Jessica Parteno und Sarah Hanson an.









