In GIS-Studiengängen sind Geodaten für Übungen und Projekte unerlässlich. Von der Erstellung über die Nutzung bis hin zur Weitergabe spielt die Wahl der richtigen Plattform eine entscheidende Rolle.
In der Lehre der Berliner Hochschule für Technik (BHT) werden diverse Daten, Karten und Apps mit ArcGIS Pro oder ArcGIS Online erstellt, die durch ArcGIS Hub verwaltet und neuerdings im Living Atlas veröffentlich werden. Dafür verantwortlich ist das Labor für Geomedien der BHT. Wir haben mit dem Team zu diesem Thema gesprochen.

Der Geomedien Hub ist mit fast 100 Inhalten sehr umfangreich? Wie sind diese Inhalte entstanden?
Die Inhalte sind im Laufe der vergangenen Jahre als Abschlussarbeiten, Semesterprojekte und Übungen im Rahmen von Lehrveranstaltungen unserer Studiengänge “BA-Geoinformation und Umwelt” und “MA-Geoinformation” entstanden. Zunächst hatten wir eigentlich gar nicht die Idee, einen eigenen Hub zu bespielen, aber ab einem gewissen Umfang an Daten hat sich dann die Frage nach einer geeigneten Plattform gestellt.
Warum hat sich das Geomedienlabor der BHT für die Zusammenstellung der Ergebnisse im ArcGIS Hub entschieden?
Die Gründe sind einerseits recht pragmatischer Natur: Wir verwenden Esri-Produkte in verschiedenen Lehrveranstaltungen, weshalb durch die Nutzung des Hubs keine zusätzlichen Kosten anfallen. Eine weitere wichtige Frage bei Online-Angeboten ist natürlich immer die Wartung, besonders auch in Sicherheitsfragen – die Arbeit mit einem professionellen Datenhub nimmt diese Sorgen ab. Und nicht zuletzt: bislang stellten wir unsere Daten lediglich auf der Website des Labors aus, die längst nicht so gut zu finden ist wie eine öffentlich bekannte und fachlich spezialisierte Hub-Seite.
Warum haben Sie sich für den Living Atlas entschieden, um die Inhalte für alle GIS-Nutzer zur Verfügung zu stellen?
Wer sich mit Geodatenvisualisierung beschäftigt, stellt oft fest, dass die Datenrecherche und -aufbereitung mehr Zeit in Anspruch nehmen kann als die eigentliche (karto)graphische Arbeit. Der Living Atlas ist hier also ein Werkzeug, das uns die Datensuche erleichtert. Wie der Name des Atlas aber andeutet, beruht sein Erfolg auf Gegenseitigkeit: wir nehmen und geben daher auch gerne. Außerdem kann der Living Atlas nicht nur als Inspirations-, sondern auch als Motivationsquelle funktionieren: der Gedanke, dass ein selbst erstellter Datensatz im Living Atlas aufgenommen und weltweit verwendet werden kann, ist für viele Studierende sicher reizvoll. Und schließlich freuen wir uns auch, die Sichtbarkeit unseres Labors und der BHT auf diesem Weg zu stärken.
Wie wird den Studierenden Data Literacy im Umgang mit Geodaten vermittelt? Ist das überhaupt ein Thema?
Data Literacy ist ein Thema, das unsere Studiengänge vom Beginn bis zur Abschlussarbeit begleitet. Schließlich soll es nicht nur um die technische Bedienung von Software, sondern auch um die kritische Hinterfragung von Datenquellen, Koordinatensystemen und verantwortungsvoller Visualisierung und Kartengestaltung gehen – besonders in einer Zeit, wo KI auch in unserem Fachbereich zum alltäglichen Arbeitstool geworden ist.
Beispiel 1: Wenn ich die Wahlergebnisse Deutschlands darstellen möchte, brauche ich Verständnis zur Bedeutung von Erst- und Zweitstimmen, Urnen- und Briefwahlbezirken, usw. Für viele Studierende ist das keine Selbstverständlichkeit.
Beispiel 2: Wir sehen uns einmal jährlich Daten des “United Nations High Commissioner for Refugees” an und visualisieren sie. Dabei fiel in den vergangenen Jahren eine hohe Zahl von in der Datenbank registrierten Flüchtlingen aus der Ukraine nach Russland auf, was die Frage nahelegt, wie (diese) Daten eigentlich zustande kommen.
Beispiel 3: Bei der Erstellung einer thematischen Karte zum Thema Femizide (im Rahmen unseres Projekts “Map of the Month“) stoßen die Studierenden auf das Problem struktureller Datenlücken. Offizielle Kriminalstatistiken erfassen zwar Partnerschaftsgewalt, führen aber oft keine eigene Kategorie für Femizide. Die Studierenden müssen sich damit auseinandersetzen, wie man ein Problem kartiert, für das es keinen fertigen Datensatz gibt. Sie lernen, alternative Quellen wie NGO-Zählungen kritisch zu bewerten, Kategorisierungen zu hinterfragen und nicht zuletzt eine ethisch verantwortungsvolle Visualisierung zu wählen.
Wie profitieren aktuelle Studierende von dem Hub bzw. den Inhalten? Und wie unterstützt die Datensammlung von Living Atlas die Arbeit der Studierenden?
Studierende profitieren vom Hub zunächst als Datenquelle: statt Daten in jeden Moodle-Kurs hochzuladen oder zu verlinken, können sie im Hub zentral und kursunabhängig gefunden werden, was besonders bei großen Datenmengen von Vorteil ist.
Außerdem ist der Living Atlas ein Repository, dass wir im Unterricht regelmäßig nutzen – neulich etwa Landcoverdaten, die wir über deutsche Städte geklippt und visualisiert haben.
Gibt es aktuell weitere Projekte, die ganz sicher in den kommenden Wochen/Monaten im Hub zu sehen sein werden?
In Zeiten der Berliner Sparpolitik im Bildungsbereich ist zwar nichts sicher, aber wir erwarten einige neue Projekte, etwa eine Value-By-Alpha-Map zu den EU-Wahlen, oder eine Testkartenreihe zum Thema “dark mode”.
Vielen Dank an das Geomedien Labor Team für das informative Gespräch!






