Teil 3 dieser Reihe hat sich mit Quality of Life Features von ArcGIS Pro beschäftigt. In diesem Teil zeige ich Euch, wie das Editieren in Pro leichter von der Hand geht und wie ArcGIS Pro Euch bei der Konstruktion neuer oder bestehender Features unterstützen kann.
ArcGIS Pro bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, Daten zu Editieren. Neben den zahlreichen Editierfunktionen bietet es auch eine ganze Reihe kleiner Helferlein, die beim Editieren unterstützen und die Qualität der Daten sicherstellen. Mit einigen davon möchte ich Euch heute bekanntmachen.
Platz schaffen
Die Bedienoberfläche von ArcGIS Pro kann schonmal erschlagend wirken. Beim Editieren von Features kann etwas mehr Platz für die Karte auf dem Bildschirm viel ausmachen. Dennoch sollen die wichtigsten Funktionen stets erreichbar bleiben. Und so wird’s gemacht:
Um mehr Platz für die Kartenansicht zu schaffen, können der Inhalt und der Katalog ausgeblendet werden. Wer sich schon gut in ArcGIS Pro auskennt, kann zusätzlich noch das Menüband in der vereinfachten Ansicht oder sogar nur die Registerkarten anzeigen lassen. Inhalt und Katalog werden über das kleine Pin-Symbol (Abbildung 1) oben rechts in der Ecke ausgeblendet, das Menüband über den kleinen Pfeil unten rechts (Abbildung 2). Um die wichtigsten Bearbeitungsfunktionen schneller erreichen zu können, kommt wieder die Schnellstartleiste zum Einsatz. Sinnvolle Funktionen für die Schnellstartleiste zum Editieren sind „Feature erstellen“, „Editierwerkzeug-Galerie“ und „Attribute“. Wenn Ihr jetzt noch die „Editierwerkzeug-Galerie“ an Eure Bedürfnisse anpasst, habt ihr alles, was ihr braucht, stets griffbereit


Winkel und Distanzen
Wollt Ihr geometrisch konstruieren anstatt „einfach nur“ in die Karte zu malen, benötigt ihr Distanzen und Winkel. Bei der Konstruktion einer Polylinie oder eines Polygons habt ihr dafür verschiedene Möglichkeiten. Zunächst einmal könnt Ihr in den Editor-Einstellungen am unteren Rand der Kartenansicht die Beschränkungen einschalten (Abbildung 3). Dadurch werden euch nicht nur die Winkel und Distanzen der Linien und Polygone, die Ihr gerade konstruiert angezeigt, sondern Ihr könnt mit einem Druck auf „Enter“ auch direkt entsprechende Werte eingeben und ArcGIS Pro (im Store erhältlich) macht den Rest. Dabei könnt Ihr die Beschränkungen so konfigurieren, dass Ihr entweder den Ablenkungswinkel vom zuletzt erstellten Konstruktionselement oder lagebezogen auf das Karten-Koordinatensystem eingebt. Zusätzlich stellt Ihr hier auch die Eingabereihenfolge ein, also ob Ihr zuerst den Winkel und dann die Distanz oder umgekehrt eingebt – so, wie es für Euren Workflow passt.

Pro-Tipp:
Sollte Euch die Beschränkungen (die Anzeige der Winkel und Distanzen) nicht zusagen, könnt Ihr auch einfach mit einem Druck auf ‚A‘ (Angle: Winkel), ‚D‘ (Distance: Abstand) oder ‚G‘ für Winkel und Abstand entsprechende Eingabemasken aufrufen und die Werte eingeben.
Gitternetz einblenden
Wer viele Features konstruiert, die alle in einer Flucht sein müssen, denkt spontan an Hilfslinien. Die gibt es auch in ArcGIS Pro, aber sie müssen diese nicht erst konstruiert, sondern einfach als Gitternetz, das wir frei konfigurieren können, eingeblendet werden. Unten in der Kartenansicht über die Schaltfläche „Gitter“ kann das Gitternetz ein- und ausgeblendet werden. Zusätzlich stellt Ihr hier den Abstand der Gitternetzlinien, die Ausrichtung und den Ursprung ein. Damit hat die Konstruktion von Hilfslinien oder Berechnung von Koordinaten ein Ende (Abbildung 4).
Pro Tipp:
Achtet darauf, dass das Snapping für die Gitternetzlinein eingeschaltet ist, um voll von dieser Funktion zu profitieren.
Ankerpunkt
Habt Ihr auch schon diesen gelben Punkt an einem Feature bemerkt, das Ihr gerade selektiert habt? Darf ich vorstellen: der Ankerpunkt.
Bei Polylinien und Polygonen ist der Ankerpunkt standardmäßig in der Mitte bzw. dem geometrischen Schwerpunkt zu finden. Der Ankerpunkt dient als Fangpunkt beim Verschieben, als Rotationszentrum beim Drehen oder aus Ausgangspunkt für eine Skalierung der Features. Nicht immer ist aber die Mitte eines Features als Ankerpunkt gewünscht. Mit gedrückter Strg-Taste und einem Mausklick kann der Ankerpunkt – und somit der Referenzpunkt für meine Konstruktions-Funktionen frei verschoben werden (Abbildung 5).
Hotkeys beim Editieren
Beim Digitalisieren der Realität sind rechte Winkel und bekannte Distanzen eher eine Ausnahme. Manchmal kann es aber eben doch vorkommen, dass ich einen bestimmten Winkel konstruieren möchte oder eine bestimmte Distanz zurücklegen muss. Für alle die, die nicht ständig die o.g. Beschränkungen aktiviert haben möchten gibt es hier dennoch Abhilfe. Nutzt entweder die rechte Maustaste oder Hotkeys! Möchtet Ihr im rechten Winkel weiter digitalisieren, fahrt mit der Maus über das Feature-Segment zu dem Ihr den rechten Winkel haben möchtet und drückt „E“ auf der Tastatur. Die Vorschau zeigt es schon: ihr könnt jetzt ausschließlich im rechten Winkel von diesem Feature ausgehen weiter digitalisieren.
Für eine parallele Weiterführung, fahrt mit der Maus über das Feature-Segement und drückt „p“ um eure Features parallel weiter zu digitalisieren. Habt Ihr vorgegebene Winkel und/oder Distanzen, drückt einfach „A“ (angle = Winkel), „D“ (distance = Distanz) oder „G“ Richtung und Distanz, um die entsprechenden Werte direkt über die Tastatur einzufügen und eure Features entsprechend weiterzuführen (Abbildung 6). Alternativ könnt Ihr auch die rechte Maustaste drücken und entsprechenden Eintrag aus dem Kontexmenü auswählen. Die Hotkeys sind übrigens in diesem Kontextmenü ganz rechts neben dem entsprechenden Befehl nochmal aufgelistet. Weitere Hotkeys findet Ihr in der Online-Hilfe zu ArcGIS Pro.
Bearbeitungsvorlagen
Bearbeitungsvorlagen können – richtig angewendet – ein mächtiges Werkzeug sein. Zu finden sind sie im Menüband unter „Bearbeiten“ in der Gruppe „Änderungen verwalten à Vorlagen verwalten“. Grundlegend kann zwischen mehreren Arten von Bearbeitungsvorlagen unterschieden werden:
- Vorlagen
- Vorlagen aus Feature
- Vorlage für Layer
- Feature-Vorlagen
- Gruppenvorlagen
Manche dieser Vorlagen-Arten beziehen sich rein auf die Attribute und manche zusätzlich auf die Geometrien. Schauen wir uns die verschiedenen Arten von Vorlagen im Einzelnen an.
Vorlagen
„Vorlagen“ sind die rudimentärsten Arten der Vorlagen. Hier startet Ihr auf der grünen Wiese. In diesen Vorlagen werden Attributwerte für eine Feature-Class vorausgefüllt (Abbildung 7 – 3), sodass diese nicht für jedes erstellte Feature neu eingegeben werden müssen. Dabei können beliebig viele Attribute vorausgefüllt werden. Habt Ihr beispielsweise Rohrleitungen aus verschiedenen Materialien, wird einfach für jedes Material eine Vorlage erstellt. Im Reiter „Werkzeuge“ wählt Ihr aus, welche Standard-Werkzeuge für die Vorlage angeboten werden sollen (Abbildung 7 -2). Diese werden Euch angezeigt, wenn Ihr unter „Features erstellen“ einen Layer auswählt. Übrigens lohnt es sich, die Werkzeuge der Werkzeugpalette (Abbildung 8) einmal genauer anzuschauen, da hier nützliche Funktionen für Eure Workflows versteckt sein können.


Vorlage aus Feature
Die Option „Vorlage aus Feature“ lässt Euch schnell und einfach eine Vorlage aus einem schon vorhandenen Feature erstellen. Das ist vor allem sinnvoll, wenn das Feature viele Attribute hat, die immer gleich sein sollen. Habt Ihr beispielsweise ein komplexes Bauteil konstruiert und mit allen Attributen versehen, das mehrfach benötigt wird, markiert einfach dieses Bauteil und erstellt über „Vorlage aus Feature“ eine vorausgefüllte Vorlage aus dem markierten Bauteil. So kann es danach schnell und mit nur wenigen Klicks erstellt werden, ohne Attribute jedes Mal aufs Neue eingeben zu müssen.
Vorlage für Layer
Sind die Daten bereits nach Kategorien (z.B. Einzelwerte) symbolisiert, könnt ihr über „Vorlage für Layer“ automatisiert je eine Vorlage pro Kategorie erstellen. So werden die Features direkt mit Eurer Symbolisierung und den entsprechenden Attributen erstellt und Ihr könnt sofort mit der Editierung loslegen (Abbildung 9).
Gruppenvorlagen
Ein Feature kommt selten allein! Gerade in Konstruktionsworkflows gehören verschiedene Features immer zusammen und können nicht alleinstehen. Anstatt jedes Feature einzeln zu setzen, erstellt Euch einfach eine Vorlage, mit der z.B. die Vorlage „Hausanschluss“ immer ein Hausanschlusspunkt ans Ende einer gerade konstruierten Leitung setzt. Oder Ihr lasst bei Polygon-Features immer automatisch ein Punkt-Feature erstellen, das den Schwerpunkt symbolisiert. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.
Weitere Infos zu den Vorlagen und wie man diese konfiguriert findet Ihr in der Online-Hilfe zu ArcGIS Pro für die Bearbeitungsvorlagen.
Stützpunkte und Knoten einblenden
Während der Bearbeitung von Features kann es sinnvoll sein, direkt zu sehen, ob Features korrekt miteinander verbunden sind. Dafür gibt unten in der Kartenansicht die Schaltfläche „Stützpunkte und Knoten“ (Abbildung 10). Ist die Schaltfläche aktiviert, werden verschiedene Indikatoren direkt in der Karte angezeigt. Welche Indikatoren und wie diese dargestellt werden, könnt ihr frei konfigurieren. So erkennt Ihr schon beim erstellen der Features, ob diese korrekt mit anderen Features verbunden sind oder Punkte isoliert zwischen den Geometrien platziert sind. Eine Erklärung der einzelnen Verbindungsarten und Konfigurationsmöglichkeiten findet Ihr in der Online-Hilfe von ArcGIS Pro.

Mit diesen Tipps sollte die Editierung und Konstruktion von Features in ArcGIS Pro in Zukunft deutlich einfacher und schneller von der Hand gehen. Happy Mapping!
Hier geht es zu den vorherigen Teilen der Serie!
👉 Teil 1: Easy ArcGIS Pro (Teil 1) – Tipps vom Experten
👉 Teil 2: Easy ArcGIS Pro (Teil 2) – Tipps vom Experten
👉 Teil 3: Easy ArcGIS Pro (Teil 3) – Tipps vom Experten




