ArcGIS Pro ist eine hervorragende Software, um aus Geodaten in Kürze eine schöne Grundkarte zur erstellen. In diesem Beitrag erläutert unser Gastautor Joshua Porzler, die Erstellung einer Grundkarte anhand eines Kartographie-Projekts mit der Gemeinde Köniz.

Als dualer Student erstellte ich während meines Praxissemesters eine neue Grundkarte für das Geoportal der Schweizer Gemeinde Köniz. Für das Kartographie-Projekt wurden Daten aus der amtlichen Vermessung sowie selbst erfasste Daten der Gemeinde zur Verfügung gestellt.

Zu Beginn des Projektes wurden mit der Gemeinde Köniz die Anforderungen und das letztendliche Ziel geklärt. Wichtige Anforderungen waren unter anderem:

  • Erstellen einer Grundkarte für die Bereiche Bevölkerung und Wirtschaft.
  • Unterschiedliche Inhalte sollen eingeblendet werden können: POIs wie Mülleimer, Haltestellen und Spielplätze, Buslinien und Straßensperren; als Konsequenz ergibt sich ein neutrales und überwiegend zurückgenommenes Farbschema in der neuen Grundkarte.
  • Eisenbahntrassen sollen in der Karte zur besseren Orientierung visualisiert werden.
  • Gebäude von öffentlichen Einrichtungen sollen sich von Wohn- und Geschäftsgebäude unterscheiden.
  • Gebäude sollen in kleineren Maßstäben generalisiert werden.
  • Für die Verwendung der Karte sollte keine Legende notwendig sein.
  • Zielgruppe sind überwiegend mit der Gemeinde vertraute Personen.
Alte Grundkarte im Geoportal von Köniz

Die zwei großen Ziele: Die Bereitstellung der mit ArcGIS Pro erstellten Karte in ArcGIS Enterprise für die interne Verwendung von Geoanwendungen. Die Veröffentlichung einer mit Web AppBuilder for ArcGIS erstellten Web-Anwendung für die Bevölkerung.

Bei der Gestaltung der komplett neuen Grundkarte habe ich mich bei einigen Punkten an der neuen Schweizer Landeskarte orientiert, die durch eine hochwertige Kartografie besticht. Ein sehr markantes Beispiel ist die Symbolisierung der Eisenbahnstrecken. Diese sind nicht mehr schwarz, sondern werden jetzt in Rot dargestellt. Die Beschriftungen sind weiterhin, wie in der ursprünglichen Grundkarte, serifenfrei. Es wurde ausschließlich die Schriftgröße geändert. Eine große Änderung bei den Beschriftungen im Vergleich zur alten Grundkarte gibt es dennoch. Beschriftungen sind nun maßstabsabhängig und machen dadurch die Karte lesbarer. In kleinen Maßstäben sind deutlich weniger Beschriftungen zu sehen, wodurch die Vielzahl an Informationen den Benutzer nicht mehr überfordert.

Die Siedlungsgebiete werden in Maßstäben kleiner gleich 1:5.000 mit einer roten Hintergrundfarbe symbolisiert. Das ist sehr charakteristisch für die neue Grundkarte, da es diese Darstellung in der Landeskarte nicht gibt. Der Rotton harmoniert optisch mit den Beige- und Grüntönen der Felder und Waldgebiete. Die Straßen- und Fußgängertunnel haben ebenfalls ein eigenes Design erhalten, unabhängig von der Landeskarte. Beide Darstellungen sind untypisch in der Schweiz. Somit wurde ein individuelles Köniz-Design erzeugt.

Ausschnitt aus dem neuen Ortsplan

Hier können Sie den Vergleich beider Pläne in einem kleinen Maßstab sehen:

Alter Ortsplan
Neuer Ortsplan

Weitere große Veränderungen fallen bei dem Vergleich der letzten beiden Bilder auf: Zum einen das erzeugte Relief im Hintergrund, welches der Karten eine gewisse Struktur gibt. Zum anderen die deutlich höhere Neutralität der Farben. Die Karte wirkt nicht mehr so bunt.

Eine besondere Aufgabe war es, neue Symbole für die POIs zu erstellen. Diese wurden teilweise komplett selbst entwickelt und andere orientieren sich an bereits bestehenden Symbolen. Eine besondere Herausforderung war die Erstellung von Symbolen, die in einer großen und auch kleinen Darstellung erkennbar sind. Ein markanter Unterschied zwischen den neuen und alten Symbolen ist der weiße Rand mit schwarzer Kontur. Zudem sind die neuen Symbole eckig und besitzen keine abgerundeten Ecken mehr. Am Ende ist ein Symbolkatalog mit über 400 Symbolen entstanden, aus dem die Gemeinde Köniz die gewünschten Varianten auswählen konnte.

Altes und neues Symbol für Museen

Die Übergabe des Projektes und das Einpflegen der Grundkarte in die neue Web App der Gemeinde fand bei der Gemeinde Köniz statt. Die neue WebApp finden Sie unter: https://map.koeniz.ch/ortsplan/.